Mein Kommentar zur erstmaligen Verleihung des Europäischen Verdienstordens.
Am 20.05.26 wurden die ersten Preisträgerinnen und Preisträger des Europäischen Verdienstordens für ihren Beitrag zur Integration und zur Verteidigung europäischer Werte geehrt. Darunter Angela Merkel und Volodymyr Selenskyj.
Im Wortlaut:
"Gestern war ein großer Tag für Europa. Ein Tag, an dem sich die politische Klasse endlich selbst den Orden verleiht, den sie ihrer Meinung nach schon seit Jahren verdient hat: den Großen Orden für Europäische Verantwortungsdiffusion.
Gestern wurde Angela Merkel geehrt. Eine Frau, die es geschafft hat, sechzehn Jahre lang Politik so zu betreiben, dass hinterher niemand mehr wusste, wer eigentlich wofür verantwortlich war. Das muss man erst einmal schaffen. Andere Staatschefs hinterlassen Reformen, Ideen oder wenigstens Skandale mit Stil. Merkel hinterlässt Protokolle, Gipfelfotos und eine Republik im Dauerzustand der Alternativlosigkeit – und Friedrich Merz.
Und wer könnte diesen Orden besser überreichen als Ursula von der Leyen? Die Frau, die aus dem deutschen Verteidigungsministerium direkt in die Leitung Europas aufstieg — gewissermaßen als lebender Beweis dafür, dass in der EU nicht Leistung nach oben führt, sondern ausreichende Entfernung von jeder Konsequenz.
Es war rührend zu sehen, wie sich hier zwei politische Karrieren begegnen, die gemeinsam fast jede Krise Europas verwaltet, verschleppt oder elegant in Arbeitsgruppen überführt haben.
Natürlich hätten sich die Showmaster gewünscht, dass mehr Abgeordnete anwesend sind. Aber viele blieben fern. Manche aus Protest. Andere vermutlich aus Selbsterhaltungstrieb. Denn wer dieser Inszenierung zu lange zusieht, läuft Gefahr, an seinem eigenen Realitätssinn zu zweifeln – oder seinen Blutdruck gefährlich hoch steigen zu lassen. Oder beides.
Doch Europa wäre nicht Europa, wenn es nicht auch dafür eine bürokratische Lösung gäbe. Und deshalb begrüßten wir gestern ganz besonders die Mitarbeiter der Verwaltung, die kurzfristig in den Plenarsaal beordert wurden, damit die Fernsehkameras nicht versehentlich zeigen, was echte Begeisterung für diese Veranstaltung bedeutet hätte: freie Sitzplätze.
So galt der Applaus der bestellten Mitarbeiter auch ihnen selbst, jenen, die zwischen Aktenordnern und Kantinenplan plötzlich Demokratie simulieren mussten. Manche von ihnen wussten gestern beim Frühstück noch gar nicht, dass sie am Nachmittag als jubelnde Volksvertretung eingesetzt werden würden.
Das ist das wahre Europa: Wenn die gewählten Vertreter fehlen, ersetzt man sie durch Personal aus der eigens dafür eingerichteten Klatschabteilung.
Und so saßen die Mitarbeiter der Verwaltung gestern, geschniegelt wie bei einer Betriebsversammlung kurz vor der Insolvenz, und klatschen auf Kommando für eine politische Ära, deren größte Leistung vermutlich darin bestand, jede fundamentale Entscheidung so lange zu vertagen, bis es zu spät war.
Angela Merkel erhielt einen Orden für europäische Verdienste. Das konnte nur noch davon getoppt werden, dass Selenskyi diesen Preis ebenfalls verliehen bekam.
Was bleibt von Merkels Ära?
Eine Energiepolitik, die gleichzeitig teuer, abhängig und ideologisch war.
Eine Migrationspolitik nach dem Prinzip „Wir schaffen das“ — gefolgt von zehn Jahren hektischer Erklärung, was genau eigentlich geschafft werden sollte und eben nichts davon geschafft wurde. Es bleibt von ihr ein Friedrich Merz, der nun den Rest erledigt – er wird Deutschland in den Abgrund reißen.
Aber Orden lieben solche Biografien. Orden werden nicht für Lösungen verliehen. Orden werden für Zugehörigkeit verliehen. Für das richtige Netzwerk, den richtigen Tonfall und die Fähigkeit, in jedem Satz gleichzeitig alles und nichts zu sagen.
Genau deshalb passt diese Zeremonie perfekt ins Bild Europas im Jahr 2026:
Die Bürger werden nervös, die Parlamente leerer, die Probleme größer — aber die Elite zeichnet sich gegenseitig aus und sorgt immerhin dafür, dass die Kameraperspektive stimmt.
Vielleicht ist genau das die höchste europäische Tugend geworden: nicht Verantwortung, nicht Mut, nicht Demokratie — sondern Eventmanagement.
In diesem Sinne gratuliere ich herzlich.
Dem Orden.
Der Inszenierung.
Und vor allem den Verwaltungsmitarbeitern, die zur Verschleierung der leeren Fraktionsblöcke und freien Reihen für die Kameras ein begeistertes Klatschvieh abgaben. Besonders möchte ich mich bei denen in der letzten Reihe bedanken. Ihr habt mir den Tag versüßt. Ohne Sie, liebe Verwaltungsmitarbeiter, hätte das geplante Spektakel wirklich peinlich ausgesehen. Vielen Dank."
Das Video können Sie hier sehen.